ATX 2015 – ein Ausblick

Der Leitindex der Wiener Börse, der ATX, hat den Anlegern in den vergangenen Jahren wenig Freude bereitet. Wie stehen die Chancen, dass es dieses Jahr besser wird?

Der ATX hat sich im Gegensatz zu anderen großen Indizes nie richtig von der Finanzkrise 2008 erholt. War seine Performance in den Jahren zuvor eher besser als die von DAX, Dow Jones und Nikkei, so hinkt er seitdem hinterher. Das Jahr 2014 war besonders ernüchternd. Während an den anderen Handelsplätzen die Tendenz klar noch oben wies, grundelte der ATX bei 2200 Punkten – so wie 2004. Im selben Zehn-Jahres-Zeitraum gewann der DAX rund 130 Prozent.

Der ATX leidet unter seiner Branchenlastigkeit

Der ATX spiegelt die Kursentwicklung der 20 wichtigsten heimischen Aktien wieder. Dass er sich zuletzt so schlecht entwickelte, liegt unter anderem an seiner untypischen Gewichtung, die sehr branchenlastig ist. Drei Bereiche – Banken, Versicherungen und Immobilienunternehmen – stellen rund 50 Prozent der Gewichtung dar. Besonders die Finanzunternehmen, aber auch die Immobilienwirtschaft hatten besonders unter der Krise und ihren Nachwirkungen zu leiden. Dazu kommt, dass in Österreich diese Wirtschaftszweige stark mit Osteuropa verbunden sind. Die Ukrainekrise hat diese Handelsbeziehungen nicht nur stark belastet, sondern auch institutionelle Anleger aus dem Ausland abgeschreckt. Gewinnwarnungen von Unternehmen wie Erste Bank und RBI taten ihr Übriges, die Anleger zu verunsichern.

Die Wiener Börse leidet auch unter ihrer mangelnden Größe: Die gesamte Marktkapitalisierung der gelisteten Unternehmen betrug im Oktober 2014 80,24 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Der größte Titel des DAX, die Bayer AG, lag Ende November 2014 bei 97 Milliarden Euro.

Der ATX bietet aber auch Chancen

Auf Grund des großen Einflusses der erwähnten ATX-Kernbranchen ist eine Prognose für die Gesamtentwicklung schwierig. Doch Analysten geben einzelnen Werten gute Noten:

  • FACC, ein Hersteller von Leichtbauteilen unter anderem für die Luftfahrt, ist ein Favorit unter den Börsianern. Noch notiert das Unternehmen im ATX-Prime-Index, hat aber gute Aussichten in diesem Jahr in den Hauptindex aufzusteigen.
  • Andritz: Der Maschinen- und Anlagenbauer aus Graz gilt unter Analysten als ein strategisch gut aufgestelltes Unternehmen mit guter Auftragslage. Sollte das unterbrochene Aktienrückkaufprogramm wieder aufgenommen werden, wäre das ein positives Signal für den Kurs.
  • Die Österreichische Post wird als gut geführtes Unternehmen mit krisenfestem Geschäftsmodell gewertet – und zahlt eine hohe Dividende.

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