Erbschafts- und Schenkungssteuer – das müssen Sie beachten

In Österreich fällt seit dem 1. August 2008 keine Erbschafts- und Schenkungssteuer mehr an. Im Zuge dieser Neuerung nach einer Entscheidung des österreichischen Verfassungsgerichtshofes im Jahr 2007 haben sich besonders in Bezug auf Grundstücke, die vererbt oder unentgeltlich übertragen werden, zahlreiche Änderungen ergeben. Für Schenkungen besteht seitdem eine Anzeigepflicht gegenüber den zuständigen Finanzämtern.

Wissenswertes zum Wegfall der Erbschafts- und Schenkungssteuer

Die Erbschafts- und Schenkungssteuer wurde im August 2008 gestrichen, weil ihre Bearbeitung einen hohen personellen und zeitlichen Aufwand erforderlich machte. Demgegenüber standen vergleichsweise geringe Steuereinnahmen. Kritiker bemängelten dabei die Tatsache, dass Vermögen in Österreich damit quasi keiner Besteuerung mehr unterlägen, was wiederum eine Benachteiligung der hoch besteuerten Arbeitseinkommen darstellen würde. Einige Kritiker sprechen sich für eine Vermögenssteuer und die Wiedereinführung der Erbschafts- und Schenkungssteuer aus. Für alle, die Vermögenswerte erben oder geschenkt bekommen, bringt die Novellierung von 2008 aber selbstverständlich steuerliche Vorteile mit sich.

Grundstücke vererben oder verschenken: Grunderwerbssteuer fällt an

Für den unentgeltlichen Erwerb von Liegenschaften fällt nach der Streichung der Erbschafts- und Schenkungssteuer weiterhin eine Grunderwerbssteuer an. Als Bemessungsgrundlage für die Grunderwerbssteuer dient der dreifache Einheitswert. Bei nahen Verwandten beträgt dieser zwei Prozent, ansonsten 3,5 Prozent. Ehepaare profitieren bei Grundstücksflächen unter 150 Quadratmetern von der Möglichkeit einer steuerfreien Aufteilung. Etwas komplizierter sind die Regelungen für gemischte Schenkungen von Liegenschaften: Hat die Gegenleistung einen Wert von mehr als 50 Prozent des Verkehrswertes, entsteht automatisch ein Veräußerungsgewinn, der dann mit 25 Prozent besteuert wird. Zu diesen Gegenleistungen gehört beispielsweise die Übernahme eines Kredites.

Anzeigepflicht für Schenkungen: Meldung beim Finanzamt muss erfolgen

Wenn Vermögenswerte wie Bargeld oder Sparbücher verschenkt werden, besteht eine Anzeigepflicht beim zuständigen Finanzamt – jedoch ergibt sich damit keinerlei Steuerpflicht. Diese Anzeigepflicht gilt für Schenkungen zwischen Angehörigen ab einem Wert von 50.000 Euro und für Schenkungen ab 15.000 Euro zwischen anderen Personen. Die Anzeige muss im Zeitraum von drei Monaten erfolgen.

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