Trend nach oben – Zenit erreicht? Österreichs Immobilienmarkt

Sie haben seit dem Wirtschaftskrisenjahr 2008 nachhaltig gelitten: die klassischen Sparformen Sparbuch und Bausparvertrag, die in der Vergangenheit zu den beliebtesten Anlageformen der Österreicher gehörten. Grund hierfür sind die dauerhaft niedrigen Zinsen, die seit Jahren unter den Inflationswerten liegen. Gewinner hierbei sind mittlerweile die Immobilien: In ihnen sehen immer mehr Anleger ein solides Fundament für eine lohnende Veranlagungsform.

Lange währender Aufwärtstrend

Wie eine diesjährige Studie der Spectra Marktforschungsgesellschaft aus Linz ergab, liegen Immobilien, Gewerbe-Immobilien und Grundstücke als Objekte zum Geldanlegen mit 39 Prozent knapp vor dem Sparbuch und dem Bausparen (beide 37 Prozent). 36 Prozent der in der Studie befragten Österreicher haben ganz konkret Häuser und Wohnungen als zurzeit prinzipiell beste Geldanlage genannt – unabhängig von ihren persönlichen finanziellen Möglichkeiten zur Veranlagung. Diese Zahlen bestätigen die Entwicklung bis ins Jahr 2013: Die Preise für Eigentumswohnungen sind vergangenes Jahr weiter angestiegen, gerade in den österreichischen Großstädten wie Wien, Graz, Innsbruck oder Bregenz stiegen die Wohnraumpreise im zweistelligen Prozentbereich.

Brennpunkt Wien

In der Bundeshauptstadt ist das Preisniveau am Plafond angelangt. Zwar sind in der Citylage die Preise um 2,4 Prozent gesunken, aber im Rest von Wien stieg der Quadratmeterpreis von neuen Eigentumswohnungen in acht der 23 Wiener Bezirke um mehr als zehn Prozent an. Der Trend verstärkt sich nochmals bei gebrauchten Eigentumswohnungen: Hier stieg der Quadratmeterpreis quer durch Wien um 12,8 Prozent. Im 5., 6., 9. und 12. Bezirk waren es sogar zirka 16 Prozent – für viele Experten ist hier ein Zenith erreicht: Sie warnen vor überhöhten Wertsteigerungsspekulationen, und auch bei den Preisen für Mietwohnungen kündigt sich für die Hauptstadt das Erreichen einer Schmerzgrenze an – eine Entwicklung, die hiesige Immobilien-Experten als beginnendes Ende des Booms deuten.

Entspanntere Lage in Gesamt-Österreich

Gegenüber der Situation in Wien ist die Immobilienpreislage in den Regionen des Landes zum Teil wesentlich entspannter. In Gegenden mit wenig Infrastruktur und geringerem Arbeitsplatzangebot, wie beispielsweise in Kärnten oder im Burgenland, gibt es hier sogar eine Preisbewertung von Immobilien von bis zu acht Prozent unter Normalpreis. Aber auch bei Städten mit attraktiver
Verkehrsanbindung sind in jüngster Zeit Preisrückgänge um fast sieben Prozent zu verzeichnen, zum Beispiel bei Baugründen in St. Pölten. Weiterhin ist „Ausweichen“ ein Trend: So ziehen immer mehr Menschen, die den hohen Mieten in der Bundeshauptstadt entgehen wollen, in die nahe gelegenen Städte Eisenstadt oder Neusiedl – eine Tendenz, die auch rund um Linz zu beobachten ist.

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