Norwegen erobert den ATX

Welchen Einfluss haben die Wikinger in Österreich?

Länder, die wie Norwegen vom Ölhandel abhängen, suchen Alternativen für die Zeit nach der Förderung. Die Norweger haben zur Sicherung der Finanzen in der Zukunft einen Staatsfonds aufgelegt. Bereits heute sind Anteile von mehr 8.000 verschiedenen Unternehmen außerhalb Norwegens im Fonds versammelt. Allein in Österreich halten die Norweger Anteile an 35 Unternehmen. Welchen Einfluss hat das Engagement auf den ATX? Sind die Ängste vor dem Einfluss aus dem Ausland berechtigt?

Die Ziele der Staatsfonds

Staaten, die für die Zeit nach der Erdölförderung über Beteiligungen im Ausland vorsorgen, sichern die Liquidität des Haushalts in der Zukunft. Um das zu gewährleisten, streuen sie das aus der Ölförderung stammende Kapital möglichst breit. Das Engagement in fremden Ländern dient nicht der Einflussnahme auf Unternehmen im Ausland. Anders als bei vielen anderen Fonds versuchen die Norweger nicht, schnelle Gewinne zu realisieren. Ihnen ist an einer langfristigen Anlagestrategie gelegen. Der international agierende norwegische Fonds hat einen Wert von rund 700 Milliarden Euro. Den Wert der österreichischen Anteile beziffern die Norweger mit 1,3 Milliarden Euro. Trotz dieser beachtlichen Summen besitzt das Land im Norden lediglich 1,3 Prozent aller weltweit gehandelten Dividendenpapiere.

 

Sicherheit und Stabilität

Insgesamt 76 Länder unterhalten derzeit Staatsfonds mit ausländischen Unternehmen. Neben Norwegen engagieren sich Staaten wie Abu Dhabi, Saudi Arabien und China. Mehr als die Hälfte der Staatsfonds bezieht sein Kapital aus Öl oder Gas. Die gelassene, auf Dauer ausgelegte Anlagestrategie beschert dem ATX deutliche Vorteile. Die Manager der Staatsfonds stoßen Papiere mit fallenden Kursen nicht schnell ab. Das Engagement dieser ausdauernden Anleger strahlt besonders in hektischen Zeiten Ruhe aus, die auf andere Anleger abfärbt.

 

Das Prestige nicht unterschätzen

Obwohl Teile der Dividende in das Ausland fließen, profitieren die Unternehmen und damit der ATX in Österreich von den Investitionen aus dem Norden. Die Staatsfonds stellen langfristig Kapital zur Verfügung. Weiters steigt das Ansehen der Unternehmen. Das Interesse aus dem Ausland zieht weitere Anleger an.

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